Bundesliga der Frauen: Darauf freue ich mich!

Veröffentlicht von Justin Kraft am

Nachdem ich zuletzt aufgeschrieben habe, warum ich mich auf die Bundesliga der Männer freue, folgen nun einige Argumente für die Bundesliga der Frauen – und auch einige, die über den Meisterschaftskampf zwischen den Bayern und Wolfsburg hinausgehen.

VfL Wolfsburg, VfL Wolfsburg, FC Bayern, FC Bayern, VfL Wolfsburg, VfL Wolfsburg, VfL Wolfsburg, VfL Wolfsburg, FC Bayern – so heißen die Meisterinnen seit der Saison 2012/2013. Davor dominierten Turbine Potsdam und der 1. FFC Frankfurt (heute Eintracht Frankfurt; beide mit je 6 Meistertiteln) zwischen 2000 und 2012 das Geschehen. Auf den ersten Blick scheint es also so, dass der Meisterschaftskampf analog zur Männer-Bundesliga eher dazu tendiert, langweilig zu sein.

1. Spannender Meisterschaftskampf

Doch diese These ist Unfug. Ja, die Wolfsburgerinnen haben die letzten Jahre dominiert und insbesondere die Saison 2019/2020 war ohne Niederlage und mit acht Punkten Vorsprung auf die Bayern ein klares Signal an die Liga. Die Abschlusstabellen suggerieren oftmals auch eine falsche Spannung, weil Wolfsburg in den letzten Spielen oft schon als Meisterteam feststand.

Aber: Die Bayern waren nie so weit weg, dass sie als klare Außenseiterinnen galten, sie haben ihr ganzes Potential aus verschiedenen Gründen nur nie entfalten können. Wolfsburg ist der Konkurrenz zwar enteilt, doch nicht so sehr wie die Bayern-Männer in der Herren-Bundesliga. Und mit der letzten Saison dürften ohnehin andere Zeiten angebrochen sein. Die Münchnerinnen haben es nicht nur geschafft, die Deutsche Meisterschaft zum vierten Mal in der Klubgeschichte zu gewinnen, sondern sie haben in den direkten Duellen mit Wolfsburg auch zeigen können, dass sie in Reichweite sind.

Beide Teams haben sich zur neuen Saison bereits sinnvoll verstärken können. Bei den Wolfsburgerinnen stehen Namen wie Jill Roord (vorher Arsenal) oder die erfahrene Turid Knaak (vorher Atlético Madrid) auf der Zugangsseite, aber auch Talente wie Lena Lattwein, Tabea Waßmuth (beide vorher Hoffenheim), Lynn Wilms (vorher Twente) und Joëlle Smits (vorher Eindhoven) spielen jetzt für den VfL. Die Bayern haben sich mit Saki Kumagai (vorher Lyon), Sofia Jakobsson (vorher Real Madrid) und Glódís Perla Viggósdóttir (vorher Rosengard) neben Qualität vor allem Erfahrung dazugeholt.

Und genau das verspricht einen erneut spannenden Meisterschaftskampf. Gerade im Saisonendspurt wirkten sie noch etwas grün hinter den Ohren. Mit dem Titel im Rücken, den Erfahrungswerten aus der Champions League und den auf dem Papier klugen Transfers ist mit einem noch stärkeren Bayern-Team zu rechnen. Zumal Wolfsburg mit Ingrid Syrstad Engen und Fridolina Rolfö (beide jetzt bei Barcelona) zwei wichtige Spielerinnen abgegeben hat. Spannend dürfte zudem werden, dass der VfL mit Tommy Stroot einen neuen Trainer hat. Es dürfte aber erneut ein packendes Duell auf Augenhöhe mit den Bayern geben.

2. Die Hoffnung auf die zweite Reihe

Doch nicht nur die beiden Top-Teams an der Spitze machen Mut für einen packenden Meisterschaftskampf. Auch die Investitionen der Teams hinter Wolfsburg und den Bayern werden in den kommenden Jahren womöglich immer mehr Früchte tragen – das ist zumindest zu hoffen. Hoffenheim konnte in der letzten Saison beispielsweise immer wieder mal zeigen, welches Potential in ihnen steckt. Insbesondere der 3:2-Sieg in München markiert einen Höhepunkt für sie.

Frankfurt hingegen enttäuschte über weite Strecken der vergangenen Spielzeit. Zwar hatten sie durchaus Spiele dabei, in denen sie ihre Qualität angedeutet haben, aber ein siebter Platz mit 30 Punkten ist trotz des erreichten Pokalfinals zu wenig. Die Frankfurterinnen haben viele talentierte Spielerinnen. Spätestens ab dieser Saison sollte der Anspruch da sein, weiter oben anzuklopfen.

Auch Leverkusen und Freiburg haben vereinzelt gute Leistungen gezeigt und sich mitunter sogar enge Duelle mit den beiden Spitzenteams aus Wolfsburg und München geliefert. Mit ihnen ist auch aufgrund von guter Jugend- und Scoutingabteilung immer zu rechnen. Turbine Potsdam zählt ebenfalls zum Kreis der “zweiten Reihe”. Mit der Unterstützung von Hertha BSC erhofft man sich zunächst mal, dass man sich trotz der stärker werdenden Konkurrenz oben halten kann. Der vierte Platz in der vergangenen Saison war dahingehend ein gutes Signal. In den Duellen mit Wolfsburg und Bayern haben auch sie angedeutet, ein Stolperstein sein zu können.

Nicht nur der Kampf um den dritten Platz, der seit der vergangenen Saison für die Champions-League-Qualifikation berechtigt, wird also interessant, sondern auch die Frage danach, wie oft die Bayern und Wolfsburg über die Teams hinter sich stolpern werden. Die Entwicklung in der Frauen-Bundesliga ist, wenn man nur auf die Bewegung bei den einzelnen Klubs schaut, grundsätzlich positiv. Bleibt zu hoffen, dass sie auch nachhaltig ist.

3. Viele junge Talente

Nicht nur bei Wolfsburg und den Bayern gibt es große Talente, sondern auch bei anderen Mannschaften. In der vergangenen Saison taten sich bei Hoffenheim, Frankfurt, Potsdam und Co. einige junge Spielerinnen hervor, die schon in diesem Jahr den Schritt nach oben gewagt haben oder es in naher Zukunft noch tun werden.

Man darf dahingehend auch in dieser Saison wieder darauf gespannt sein, welche Talente die Klubs aus den Jugendabteilungen befördern und welche Transfers von jungen Spielerinnen besonders gut einschlagen. Das Durchschnittsalter ist vor allem in der benannten “zweiten Reihe” sehr gering, in den meisten Fällen sogar unter 23.

Die Frauen-Bundesliga macht auch deshalb so viel Spaß, weil sie jedes Jahr viele neue Gesichter bietet. Es wäre also nicht überraschend, wenn es im nächsten Sommer für die Top-Klubs wieder viele interessante Talente in der höchsten deutschen Spielklasse gibt.

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4. Die kontinuierliche Weiterentwicklung

So viel sei direkt vorausgestellt: Männer- und Frauenfußball sollten nicht verglichen werden. Nicht hinsichtlich der Qualität der Einzelspieler:innen und auch nicht hinsichtlich der Qualität der Spiele. Wenn es um Tempo, Physis und ähnliche Attribute geht, verlieren die Frauen immer. Der Frauenfußball lässt sich aber wunderbar mit sich selbst vergleichen. 2020 erschien eine Studie der FIFA, die die Weltmeisterschaft 2019 genauer analysiert hat. Das Resultat: Frauenfußball wird immer schneller und intensiver.

Doch nicht nur das: Auch abseits jeglicher Studien lässt sich feststellen, dass die Teams taktisch immer besser werden. Dass viele junge Spielerinnen zuletzt ihren Durchbruch hatten, spricht zudem dafür, dass nicht nur Qualität nachkommt, sondern diese auch sukzessive besser wird. Nicht umsonst hat der Frauenfußball in den letzten Jahren in nahezu allen fußballbegeisterten Ländern einen regelrechten Boom erlebt.

Kritik wird es nach wie vor geben. Zu langsam, zu behäbig, zu wenig Dynamik – wenn man die Spiele jenen der Männer direkt gegenüberstellt, dann mag das nach wie vor zutreffen. Das ist aber schon deshalb unfair, weil der Männerfußball nicht über Jahrzehnte hinweg gesellschaftlich und politisch unterdrückt und blockiert wurde und sich deshalb frei entwickeln konnte. Wer sich aber mal Spiele im Frauenfußball vor 5, 10, oder 15 Jahren ansieht, wird erkennen, wie rasant sich alles weiterentwickelt. Der Unterhaltungswert ist enorm gestiegen. Und er wird weltweit weiter steigen. Weil die dafür notwendigen Themen wie Professionalisierung, Strukturen, Vermarktung und entsprechende Ausbildung immer mehr Präsenz und somit Aufmerksamkeit erhalten.

5. Deutschland zieht endlich nach!

Uff. Die Überschrift ist schon sehr gewagt. Und vielleicht auch sehr naiv. Aber versuchen wir mal, uns ein bisschen positive Gedanken zu machen, wenn wir über den Frauenfußball in Deutschland sprechen oder schreiben. Zumindest habe ich diese zuletzt immer wahrgenommen, wenn ich mit Leuten gesprochen habe, die tief in dem Thema drinstecken und/oder sogar involviert sind. Der Tenor war recht deutlich: Entweder streckt sich der DFB und wir erleben ein kleines Wunder, oder die Bundesliga wird sich verabschieden und ihr eigenes Ding durchziehen – beispielsweise unter dem Dach der DFL oder mit eigenen Strukturen.

Vom DFB sollten wir nicht zu viel erwarten, aber lange kann es sich der Frauenfußball in Deutschland nicht mehr erlauben, derart rückständig geführt zu werden. Die Vermarktung der Bundesliga ist deshalb schon unwürdig, weil es nicht möglich war, alle Spiele der Saison live im Internet oder Fernsehen zu verfolgen. Auch in der kommenden Saison bleibt das alles undurchsichtig. Die Informationspolitik ist bereits eine Katastrophe. Dadurch fehlen auch wichtige Gelder zur Weiterentwicklung und weiteren Professionalisierung. Schon 2020 habe ich in einem Artikel ausführlich darüber berichtet, viele haben es bereits weit vor mir getan. Geändert hat sich zu wenig.

Dass Top-Spielerinnen aktuell regelmäßig von Wolfsburg oder Bayern ins Ausland wechseln, ist kein Zufall. Es ist auch keine kurz andauernde Phase. In England, Spanien oder auch Italien wird schlicht mehr in den Frauenfußball investiert. Da geht es nicht nur um Bezahlung. Viele Spielerinnen betonen, dass die Wertschätzung, die Strukturen und vereinzelt auch die Infrastruktur ein Upgrade im direkten Vergleich sind. Das ist besorgniserregend. Und deshalb hoffe ich sehr darauf, dass wir in dieser Saison endlich erleben, dass Deutschland zumindest anfängt, der Entwicklung zu folgen. Macht endlich was. Ich freue mich darauf.




Justin Kraft

Quereinsteiger im Bereich Sportjournalismus. Blogger, Podcaster, Autor. Taktik-, Team- und Spieler:innenanalysen sowie Spielberichte zählen zu meinen Kernkompetenzen. Mein Antrieb ist es, die komplexe Dimension des Spiels zu verstehen und meine Erkenntnisse möglichst verständlich weiterzugeben. Journalistisch. Analytisch. Fundiert.

Titelbild: Canva Pro Lizenz

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