Bundesliga der Männer: Darauf freue ich mich!

Veröffentlicht von Justin Kraft am

In etwa vier Wochen startet die Bundesliga wieder und gerade in der Spitzengruppe hat sich einiges verändert. Auch deshalb gibt es Anlass zur Vorfreude auf die neue Spielzeit.

Nach der Europameisterschaft ist vor der Bundesliga-Saison. Die Klubs haben ihre Vorbereitungen jeweils schon aufgenommen und bald kehren auch die Nationalspieler zurück. Zeit, auf die 59. Spielzeit zu blicken und festzuhalten, worauf man sich freuen kann.

1. Viele Wechsel an der Spitze versprechen Spannung

Schaut man sich die Abschlusstabelle der vergangenen Saison an, gab es relativ wenige große Überraschungen. Die Teams auf den ersten acht Positionen zählen bis auf wenige Ausnahmen zu den Top-Klubs in Deutschland. Lediglich Union Berlin fällt da etwas raus. Die Köpenicker wurden aber für eine in den letzten Jahren fast durchgängig gute Kaderplanung belohnt.

In der kommenden Saison könnte es durchaus sein, dass wir mehr Überraschungen erleben. In den Top-8 bleibt nur Union seinem Trainer treu. Bayern, Leipzig, Dortmund, Wolfsburg, Frankfurt, Leverkusen und Gladbach starten jeweils mit einem neuen Coach. Darunter sind Entscheidungen, die sich erst noch bewähren müssen. Ich denke da vor allem an Oliver Glasner bei Eintracht Frankfurt und Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg. Auch Adi Hütter könnte in Gladbach Startschwierigkeiten erfahren.

Etwas konkreter: Bei Glasner ist die große Frage, ob sein pragmatischer Ballbesitzfußball optimal zum in den letzten Jahren eher spektakuläreren Stil der Frankfurter passt. Zwar hat sich die SGE unter Hütter phasenweise zu einem ordentlichen Ballbesitzteam gemausert, weshalb die Strukturen für Glasners Idee durchaus vorhanden sind. Mit Blick auf das im Vergleich mit Wolfsburg nicht ganz so spielstarke Mittelfeld könnte der Start aber durchaus spannend werden. Zumal Frankfurt nicht nur auf der Trainerposition, sondern auch in vielen anderen Bereichen verändert in die Saison geht. Das könnte für das eine oder andere Problem sorgen.

Kann Hütter Gladbach?

Meine Bedenken zu Mark van Bommel habe ich hier bereits vor einigen Wochen geäußert. Bei Adi Hütter und Gladbach bin ich mir indes noch unsicher. Seine offensive Grundidee passt gut zur Borussia und er hat in Frankfurt gezeigt, dass er taktisch flexibel ist. Seine größte Herausforderung wird es hingegen sein, Gladbach in Ballbesitzphasen weiter zu verbessern.

Das Trainerteam rund um Marco Rose ist aus vielerlei Gründen nicht mehr gern gesehen im Borussia-Park. Wenn sie aber eines in der kurzen Zeit geschafft haben, dann sind es Strukturen für einen flexiblen und kontrollierten Ansatz in Ballbesitzphasen herzustellen – ja, ja, die Ergebnisse sprechen eine andere Sprache, aber diese Debatte würde jetzt den Rahmen sprengen. Wenn Hütter jedenfalls darauf aufbauen kann, kann er sicher schnell erfolgreich sein. Seine ganz große Stärke war es aber in den letzten Jahren nicht.

Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass es in der kommenden Saison die eine oder andere Überraschung im oberen Tabellendrittel gibt. Denn auch die Bayern, Dortmund und Leipzig sind nicht davor gefeit, dass die Veränderungen im Kader und/oder auf der Trainerbank für Probleme sorgen. Zumal es unten auch das eine oder andere Team mit großem Potential gibt.

2. Bo Svenssons Mainz

Ein Beispiel dafür ist der 1. FSV Mainz 05. Lange Zeit sah es für sie so aus, als würden sie gemeinsam mit Schalke direkt in die zweite Liga absteigen. Dann aber kamen Christian Heidel, Martin Schmidt und Bo Svensson – und mit ihnen eine andere Grundstimmung, ein sehr attraktiver Fußball und der souveräne Klassenerhalt in der Bundesliga.

Mainz hat sich zurückbesinnt auf das, was sie einst so stark gemacht hat: Ein aggressives und gut organisiertes (Gegen-)Pressing, ein direktes Spiel in die Spitze und viel Mut in der Vorwärtsbewegung. Lange waren die Nullfünfer nicht mehr wiederzuerkennen, aber Svensson lässt die eigentlich offensive Vereinsphilosophie wieder aufleben. Damit zeigt er einerseits, wie wichtig Trainer:innen im Fußball sind, andererseits lebt er einen Offensivgedanken vor, der für Unterhaltung auf dem Platz sorgt.

In der kommenden Saison wird es um Bestätigung gehen. Viele sind daran schon gescheitert. Bei den Mainzern ist mein Gefühl jedoch, dass sie erst am Anfang ihrer Reise stehen. Unter Svensson traue ich ihnen, gerade auch unter Berücksichtigung des ersten Punktes, eine mehr oder weniger überraschende Saison zu. Bleibt zu hoffen, dass ich den Unterhaltungswert der Mainzer jetzt nicht gejinxt habe.

3. Marco Roses Dortmund

Dass die Dortmunder nochmal so schwächeln wie beispielsweise in der Schlussphase mit Lucien Favre, glaube ich indes nicht. Marco Rose hat für die Art und Weise seines Wechsels viel Kritik einstecken müssen und die letzten Monate in Gladbach waren nicht mehr so erfolgreich. Gerade in seiner ersten Saison hat er aber unter Beweis gestellt, dass er ein hoch talentierter Trainer ist.

Mit der nun höheren individuellen Qualität im Vergleich zu Gladbach und dem wahrscheinlichen Verbleib von Erling Haaland traue ich ihm und seinem Trainerteam zu, dass Dortmund schnell erfolgreich sein wird. Seine Philosophie passt in jedem Fall gut nach Dortmund.

Gerade das Gladbacher Spiel von “außen nach innen”, bei dem sie sich mit gezielten Überladungen diagonal in die Zwischenlinienräume kombiniert haben, kann ich mir mit Raphaël Guerreiro auf der linken Seite gut vorstellen. Offensiv mache ich mir keine Gedanken darüber, dass Dortmund unterhaltsam werden kann. Wie bei jedem anderen Vorgänger wird vor allem die Defensive eine große Herausforderung für das Trainerteam sein.

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4. Die Aufsteiger

Die Schere zwischen der ersten und der zweiten Bundesliga geht leider immer weiter auseinander. Nicht selten steigen Aufsteiger deshalb auch direkt wieder ab. So zumindest das Klischee. Seit der Saison 2010/2011 sind tatsächlich aber nur acht von 23 Aufsteigern direkt wieder abgestiegen. Kein so schlechter Wert. Darunter sind zwar auch Teams wie Leipzig, Freiburg oder Stuttgart, die andere Voraussetzungen hatten als beispielsweise Paderborn, aber gerade die jüngsten Beispiele Union und Bielefeld machen den diesjährigen Aufsteigern Hoffnung.

Zumal sowohl der VfL Bochum als auch die SpVgg Greuther Fürth in der zweiten Liga mit gutem Offensivfußball überzeugten. Ein gängiges Problem für Aufsteiger ist es oft, dass sie sich dem spielerischen Niveau der 1. Liga nicht anpassen können. Bochum und Fürth haben hier jedoch einen kleinen Vorteil.

Beide wissen, wie sie sich in Ballbesitz Chancen herausspielen können. In der Bundesliga werden sie häufiger ohne Ball agieren müssen als zuvor, aber die Erfahrungswerte mit mehr Ballbesitz werden in den offensiven Umschaltmomenten dabei helfen, mutig und kombinationsstark aufzutreten. Ich glaube nicht, dass beide wieder absteigen. Mindestens eines der beiden Teams wird die Klasse halten und ich bin gespannt, wie sie mit dem Niveauunterschied zurecht kommen.

5. Rückkehr der Zuschauer:innen

Klar, die Rückkehr der Fans darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Die Europameisterschaft war für mich dahingehend ein Mix aus Unbehagen und positiven Emotionen. Unbehagen deshalb, weil die Beispiele Wembley, Ungarn oder auch Kopenhagen in mir ein ungutes Gefühl ausgelöst haben. Gerade in Anbetracht der Situation, in der sich der kulturelle Sektor hier in Deutschland befindet, kann ich mich über volle Stadien nicht richtig freuen. Ein wenig mehr Demut wäre angebracht.

Auf der anderen Seite gab es auch schon positive Beispiele, wie man ein Stadion moderat füllen kann, ohne das ganz große Risiko einzugehen. Die Pandemie wird uns noch lange begleiten und die Füllung der Stadien wird auch in der Bundesliga wieder ein Balanceakt sein, der für Diskussionen sorgt.

Ich hoffe deshalb, dass die DFL für die Bundesliga ein Konzept entwickeln kann, mit dem das Risiko zumindest eingedämmt wird. Für den ersten Spieltag scheint man bereits mit mehreren tausend Fans zu planen. Ob das angemessen ist? Das kann keine:r so richtig beurteilen. Eine gleichzeitig stärkere Öffnung des Kultursektors würde mir zumindest dabei helfen, die hohen Zuschauer:innenzahlen zu akzeptieren – zumindest dann, wenn es sich mit dem Pandemiegeschehen vereinbaren lässt. Dennoch würde ich lügen, wenn ich nicht zugleich auch eingestehen würde, dass ich mich auf die Rückkehr der Zuschauer:innen freue. Ich hoffe nur, dass das Unbehagen durch eine gute und angemessene Umsetzung kleiner wird.

Extra: Nagelsmanns Bayern

Auf die Nagelsmann-Bayern freue ich mich natürlich auch. Ich habe den Fokus in diesem Artikel ganz bewusst auf andere Aspekte gelegt. Dass mit Nagelsmann aber ein sehr flexibler und moderner Trainer an der Seitenlinie des Klubs stehen wird, über den ich am häufigsten berichte, ist zweifelsohne auch ein Grund dafür, dass ich mich auf die kommende Saison freue.

Die Erwartungen an Nagelsmann sind zurecht groß. Nicht nur mit Bezug auf die Ergebnisse, die in München immer eingefordert werden, sondern auch hinsichtlich der Spielweise, der Einbindung des Campus und der Berücksichtigung des ganzen Kaders.

Unter Flick war der Fußball des FCB sehr unterhaltsam. Mit Nagelsmann wird er das bleiben und darüber hinaus könnte es die eine oder andere Überraschung im Kader der Münchner geben. Über die Qualität der Spieler im unteren Bereich der Hierarchie wird viel diskutiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere am Ende der Saison 2021/2022 anders bewertet wird als jetzt.




Justin Kraft

Quereinsteiger im Bereich Sportjournalismus. Blogger, Podcaster, Autor. Taktik-, Team- und Spieler:innenanalysen sowie Spielberichte zählen zu meinen Kernkompetenzen. Mein Antrieb ist es, die komplexe Dimension des Spiels zu verstehen und meine Erkenntnisse möglichst verständlich weiterzugeben. Journalistisch. Analytisch. Fundiert.

Titelbild: Canva Pro Lizenz

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